Erasmus+ Projekte – Leitaktion 1
Erasmus + – Leitaktion 1 – Projekte 2022 – 2027
Durch die Akkreditierung des Europaseminars Gießen können Ausbildungskräfte und Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst Schulhospitationen / Schulpraktika und Job-Shadowing im europäischen Ausland durchführen.
Die Themen wie Demokratiebildung, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Lernen und Arbeiten in Europa, neue pädagogische Konzepte, Salutogenese, Inklusion und Digitalisierung stehen dabei im Vordergrund und sollen bei den Schulerkundungen bearbeitet werden.
Eine solche Auslandsmobilität im europäischen Ausland soll den Horizont für den eigenen Unterricht und die Schulentwicklung, aber auch über die jeweilige Kultur im Ausland, erweitern.
Ziel ist es, das Erkundete an der Schule und im besuchten Unterricht im europäischen Ausland zu reflektieren und Positives in die eigene Arbeit als Lehrkraft und in die eigene berufliche Schule zu überführen.
Im Folgenden werden die Berichte zu den Mobilitäten veröffentlicht.

Jobshadowing in Finnland mit Erasmus +
Während meines Erasmus+-Aufenthalts in Jyväskylä/Finnland absolvierte ich, Julia Tripp, ein einwöchiges Jobshadowing an der Bildungseinrichtung GRADIA. Dabei erhielt ich umfassende Einblicke in die finnische Berufsbildung im Sozial- und Gesundheitswesen an den Kukkula- und Viitaniemi-Campi. Im Mittelpunkt standen Fragen nach individueller Förderung, kompetenzorientiertem Lernen und dem Einsatz digitaler Bildungsformate.
Besonders intensiv lernte ich die Ausbildung der sogenannten „practical nurses“ (lähihoitaja) kennen. Diese praxisorientierte Pflegeausbildung spielt in Finnland eine zentrale Rolle im Gesundheits- und Sozialwesen. Charakteristisch ist die starke Verzahnung von Theorie und Praxis sowie ein hohes Maß an individueller Lernbegleitung. Für jede Lernende und jeden Lernenden wird ein individueller Lernplan erstellt, der regelmäßig in Entwicklungsgesprächen angepasst wird. Theorieanteile können flexibel, teilweise im Homeoffice, erarbeitet werden, während praktische Übungen – etwa pflegerische Handlungen oder Injektionen – in der Schule unter enger Anleitung stattfinden. Durch den Einsatz mehrerer Lehrkräfte pro Lerngruppe ist eine intensive individuelle Unterstützung möglich.
Ergänzt wird dieses System durch zusätzliche Förderangebote, etwa in „Immigrant Classes“, in denen sprachliche Unterstützung gezielt integriert wird. Insgesamt wird Chancengleichheit im finnischen Bildungssystem großgeschrieben, wobei Lehrkräfte ein hohes gesellschaftliches Vertrauen genießen und die Bedürfnisse der Lernenden konsequent im Mittelpunkt stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt meines Aufenthalts war das Thema Digitalisierung. Im Rahmen des Projekts „Virtuoosi“ entwickelt GRADIA digitale Lernmodule und virtuelle Simulationen für den Gesundheitsbereich. Der Einsatz von VR-Brillen ermöglicht beispielsweise das Training von Alltagssituationen oder das Lernen anatomischer Inhalte. Auch digitale Assistenzsysteme, wie Medikamentenausgabe-Roboter, sind bereits Teil der Ausbildungspraxis. Unterstützt werden die Lehrkräfte dabei durch sogenannte „Digitutors“, die bei der Integration digitaler Technologien beraten.
Darüber hinaus wurde das Thema Wellbeing im Schulalltag deutlich sichtbar: kostenlose Mahlzeiten, Bewegungsangebote, gemeinsame Aktivitäten sowie eine wertschätzende Lernatmosphäre tragen zu einem gesundheitsförderlichen Umfeld bei.
Auch Nachhaltigkeit ist fest im Bildungsalltag verankert und zeigt sich sowohl in Unterrichtsinhalten als auch im gelebten Alltag, etwa durch naturbezogene Aktivitäten und ein bewusstes Verständnis von Gesundheit und Umwelt.
Insgesamt war der Aufenthalt eine große persönliche und berufliche Bereicherung. Besonders prägend war die Erfahrung einer Bildungsphilosophie, die konsequent auf Vertrauen, Individualisierung und Chancengleichheit ausgerichtet ist. Ich nehme daraus vor allem eine gestärkte Haltung sowie wertvolle Impulse für meine persönliche Berufspraxis mit. Konkret habe ich mir vorgenommen, mehr Bewegungsangebote oder eine bewusstere Gestaltung von Lern- und Erholungsphasen in den schulischen Alltag einzubinden. Außerdem habe ich erlebt, dass digitale Technologien dann besonders erfolgreich eingesetzt werden können, wenn sie pädagogisch sinnvoll eingebettet sind und der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden weiterhin im Mittelpunkt steht.




























