Besuch des Lern- und Erinnerungsortes Notaufnahmelager Gießen

Eine Gruppe von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst der Fächer Politik und Wirtschaft (PoWi) sowie Deutsch besuchte den Lern- und Erinnerungsort Notaufnahmelager Gießen. Der außerschulische Lernort befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen zentralen Notaufnahmelagers, das zwischen 1946 und 1989/90 als wichtigste Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Übersiedler aus der DDR diente und für viele Menschen als „Tor zur Freiheit“ galt. Heute ist dort die einzige landeseigene Gedenkstätte Hessens eingerichtet, die sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie der Vermittlung von Demokratie- und Freiheitsgeschichte widmet.

Der Besuch begann mit einem Rundgang durch die Dauerausstellung. Anhand zahlreicher Biografien, Dokumente, Zeitzeugenberichte und interaktiver Elemente erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Menschen, die die DDR verlassen hatten und im Notaufnahmelager Gießen ankamen. Dabei wurden nicht nur Flucht- und Migrationserfahrungen thematisiert, sondern auch grundlegende Fragen nach Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Ausstellung verdeutlicht eindrucksvoll die historische Bedeutung des Ortes und macht die deutsch-deutsche Geschichte am authentischen Schauplatz erfahrbar.

Im Anschluss nahmen die Lehrkräfte an einem Planspiel zur Demokratisierung der ehemaligen DDR im Jahr 1990 teil. In unterschiedlichen Rollen diskutierten sie politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen der Transformationszeit nach dem Fall der Berliner Mauer. Dabei mussten verschiedene Interessen ausgehandelt und Entscheidungen über den zukünftigen politischen Weg der DDR getroffen werden. Das Planspiel ermöglichte einen Perspektivwechsel und machte die Komplexität demokratischer Entscheidungsprozesse unmittelbar erfahrbar.

Den Abschluss bildete eine gemeinsame Reflexionsphase. Hier wurden sowohl die historischen Inhalte als auch die didaktischen Potenziale des Lernortes für den Unterricht diskutiert. Insbesondere die Verbindung von Ausstellung, handlungsorientiertem Lernen und historisch-politischer Bildung wurde von den Teilnehmenden als gewinnbringend bewertet. Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie außerschulische Lernorte dazu beitragen können, Demokratiegeschichte anschaulich zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zur aktiven Auseinandersetzung mit Fragen von Freiheit, Teilhabe und politischer Verantwortung anzuregen.

Broaden one’s horizons: Präsentationen der Europastudienfahrten des Europaseminars Gießen 2026

Die Präsentationen der Europafahrten hat wieder gezeigt, wie wichtig Mobilitäten ins europäische Ausland sind, um neue Impulse für die eigene Arbeit als Lehrkraft an einer hessischen Beruflichen Schule zu erhalten. In diesem Jahr wurden dazu Studienfahrten nach Frankreich, Österreich, United Kingdom und Kroatien durchgeführt. Auf den Studienfahrten wurden verschiedene Bildungseinrichtungen – von der Grundschule, Mittelschule, Oberstufe und Berufsschule bis zur Universität – zu verschiedenen zukunftsweisenden Themen erkundet.
Kerstin Streiff, stellvertretende Seminarleiterin begrüßte alle Gäste und stellt die Wichtigkeit „der Erweiterung des eigenen Horizonts“ heraus.
Die Grußworte wurden von Friedhelm Walter, Schulleiter der Max-Eyth-Schule Alsfeld, überbracht, in denen er die Arbeit der Ausbildungskräfte des Europaseminars lobte und vor allem den großen Organisationsaufwand der Studienfahrten ins europäische Ausland. Gleichwohl würdigte er die umfassenden Ergebnisse, die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst bei diesen Studienfahrten für ihren eigenen Professionalisierungsprozess erhalten.
Als Redner stellte Stefan Düppers vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen die beiden Zitate von Ludwig Börne „Erziehung ist Erziehen zu Freiheit“ und „Der Mensch ist frei“ von Georg Büchner in den Mittelpunkt seiner Rede. Herr Düppers stellt dazu den Freiheitsbegriff in den Mittelpunkt und konstatiert, dass Bildung nicht nur die Vermittlung von Wissen ist, sondern vielmehr, wie selbständiges Lernen lernen, Verantwortung übernehmen und die Ressourcen der Lernenden zu nutzen.
Im Anschluss stellten alle vier Fahren in einer kurzen kreativen Keynote ihre Fahrten vor, bevor sich die Besucher in vier gestalteten Räumen zu jeder Fahrt intensiv in Gesprächen über die Erkenntnisse informieren konnten.
In Split/ Kroatien wurden Ergebnisse der Erkundung unter dem Titel „Zukunft gestalten – Pädagogik zwischen lebendiger Tradition und innovativer Moderne“ dargestellt. In Klagenfurt/ Österreich haben sich Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst mit innovative Lernkonzepte zu „Vielfalt erleben, Lernen gestalten“ auseinandergesetzt. In Liverpool /UK wurden Möglichkeiten zu „individualisiertem Lernen“ erforscht und in Frankreich ging es um die Fragestellung: „Das Elsass und seine politisch, geschichtlich und pädagogische Entwicklung“.
In der Abschlussrunde des Tages stellten Christina Wiemers und Lukas Schneider als Moderatoren noch einmal zentrale Fragen an die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu den Ergebnissen. Gemeinsam wurden Ideen generiert, welche innovativen Ansätze auch an den Beruflichen Schulen Mittelhessens eingeführt werden können. Insgesamt war dieser Präsentationstag für alle Teilnehmende eine Erweiterung des eigenen Horizonts durch Austausch und Gespräche über innovative Ideen in der Bildung.